Labor #4

Labor #4

DAS METAVERSUM ALS BÜHNENLABOR
// MIT MARCEL KARNAPKE

13.9.–17.9.2022 in München

Ein Ort an dem alles möglich ist. Geschlossene digitale Welten bahnen sich allmählich den Weg in unseren Alltag. Kann die Szenografie den virtuellen Raum für sich erobern? Im Münchner Labor#4 haben unsere Teilnehmenden von Marcel Karnapke Einblicke zum „Metaversum als Bühnenraum“ bekommen.

Metaversum = Facebook? Mark Zuckerberg wirft ein Wort in die Arena: Ursprünglich stammt der Begriff aus dem dystopischen Roman Snow Crash (1992): Neal Stephenson entwirft dort das Online-Universum „Metaverse“ das mit VR-Brillen oder öffentlichen Terminals als Avatar betreten werden kann.

Interaktion zwischen realer und virtueller Welt auf der Bühne

Unterhaltung wird immer stärker interaktiv konsumiert. Statt Video, Musik und Text treten Formate wie Games in den Vordergrund. Das Theater darf sich überlegen, ob es mit digitalen Technologien die klassische Bühnensituation ergänzen will. Das öffnet den Raum für den interaktiven Einsatz digitaler szenischer Mittel.

„Wir haben zusammen einige der verschiedenen Metaversen besucht und uns darüber ausgetauscht, wie man dort Szenen und Welten erschaffen kann, welche Werkzeuge es dafür gibt und wo bei diesen neuen Technologien die Fallstricke liegen.“

Dozent Marcel Karnapke bei Labor #4 in München.

Marcel Karnapke (Entwickler, Medienkünstler, VR-Engineer und Mitbegründer des VR-Startups virtigo.xyz) ist 50% der Cyberräuber. Zusammen mit Björn Lengers macht er seit 2016 Kunst im Bereich Theater und Digitales. Das Künstlerkollektiv verbindet Theater mit dem virtuellen Raum. Sie bringen – oft gemeinsam mit anderen Künstler*innen – digitale und virtuelle Welten ins Theater und das Theater auf virtuelle Bühnen. Sie erforschen neuartige Erzählmöglichkeiten und experimentieren mit Laserscans kompletter Bühnenbilder, dreidimensionalen Aufzeichnungen von Schauspieler*innen, Echtzeit-Bühnenbildern und mobilen Applikationen auf der Bühne. Bei der Raumgestaltung legt das Künstlerkollektiv Wert auf eine unangepasste Ästhetik mit Ecken und Kanten die sich von der glatten Darstellung fotorealistischer 3D-Nachbildungen abgrenzt. Sie wollen mit ihrer Arbeit die Fantasie anregen statt die Fantasie zu ersetzen.

„Ich habe gefühlt 500 neue Accounts bei 700 Softwares!“

Statt ausschließlich vor ihren Computern zu sitzen, konnten die Teilnehmenden im Labor in der VR-Brille frei arbeiten und sich von Steuerungselementen wie Tastatur oder Maus lösen. In Zeichenapps wie OpenBrush gestalteten sie digitale räumliche Skizzen. Das szenografische Zusammenwirken im selben digitalen Raum ergab zudem nicht nur kreative Raumkonzepte sondern auch von außen betrachtet eine Art autochoreografisches und poetisches Ballett. Die Laborant*innen waren sie auf verschiedenen Plattformen für sogenannte Multiversen unterwegs. Als Multiplayer besuchten sie die virtuellen Räume der Cyberräuber, trafen sich via VR Chat oder schauten sich in Mozilla und RecRoom um. Dort konnten sie sich gemeinsam aufhalten und lernten so spielerisch unterschiedlichste Räume und Raumkonzepte kennen.

Das Metaversum als Bühnenlabor

Nichts entwickelt sich momentan so rasant wie digitale Technologien, maschinelles Lernen, virtuelle und erweiterte Realitäten. Niemand sollte Angst davor haben, mit diesen Technologien auf Tuchfühlung zu gehen. Digitale Szenografie braucht Zeit, Geduld und kreative Köpfe die bereit sind Dinge auszuprobieren. Digitale Gadgets können Theateraufführungen ganz neue Impulse geben. Es geht nie nur um Digitalität, aber sie kann das was wir auf der Bühne kreieren noch ergänzen. Digitalität soll die Fantasie des Publikums nicht ersetzen, sondern vielmehr anregen, indem sie den Bühnenraum erweitert.

Gerade für ein Themengebiet, das nie aufhört sich zu entwickeln und wo man immer das Gefühl hat hinten dran zu hängen, ist das Labor ein sehr erfrischender und zwangloser Ort die Technik auszuprobieren!

– Teilnehmer Marcel (Schauspieler und  Auszubildender als Game-Entwickler)

Jede*r sollte das Experimentieren wagen, um diskursfähig zu bleiben. Der direkte Austausch zwischen Szenograf*innen und Künstler*innen mit Technikhintergrund kann unerwartete Räume öffnen und unter Umständen dazu beitragen, Ideen miteinander auf eine neue Art und Weise zu erleben.

Wir haben nicht nur darüber geredet wie wir Welten bauen, sondern auch wie wir die Welten dem Publikum näherbringen. 

– Teilnehmerin Lea (Dramaturgiestudentin)

Szenograf*innen als Pioniere des Multiversums

Die virtuelle Welt ist noch lange nicht ins Fundament gegossen und auch die erweiterte Realität entsteht. „Aktuell ist ein ‚Krieg der Metaversen‘ ausgebrochen. Jeder will der erste sein, der DIE neue Plattform oder DAS neue virtuelle Internet baut und bespielt. Wir bewegen uns auf sich konstant veränderndem Terrain“, sagt Marcel Karnapke. Szenograf*innen können das Metaversum mit dem nötigen digitalen KnowHow wegbereitend mitgestalten. Für Kunstschaffende ist es wichtig, Plattformen ausfindig zu machen, die möglichst offen sind und künstlerische Freiheiten bieten. Das Metaversum ist hier nur das tragende Element für die Vorstellungskraft der raumgestaltenden Szenograf*innen.

Laborbedingungen in der Muffathalle München.

Im Gespräch mit der Theaterwissenschaftlerin Birgit Wiens erläutert Marcel Karnapke (Cyberräuber) den Begriff des „Metaversums“ ausführlicher.

Wann: 13.9. – 17.9.2022
Was: “ Das Metaversum als Bühnenlabor“
Dozent:
Marcel Karnapke –  Cyberräuber
Ort:
  München Muffathalle, Muffatwerk, Zellstraße 4, 81667 München
Kooperationspartner: XR HUB BAVARIA
Zeit Einsteiger*innen:
13. und 14.9.2022
Zeit Fortgeschrittene: 15. – 17.9.2022
Kosten:  120€ Einsteiger*innen, 140€ Fortgeschrittene